Quer durch Europa

 

Görlitz, so haben wir gelesen, wird als das größte Flächendenkmal Deutschlands bezeichnet. Das wollten wir uns anschauen und fuhren mit unserem "Hausreisebüro" Ende Oktober 2018, begleitet von nieselregnerischem Wetter, in das Bundesland Sachsen..

                

     Görlitz - die Stadt der Superlative 

ich habe mir zu diesem Bild keine Notizen gemacht

Zierde über dem Eingang eines Gebäudes in der Innenstadt. Der Löwe mit der goldenen Krone hält ein Schild mit Initialen fest - ein Zeichen für Macht und Mächtigkeit, Stolz und Schönheit...

Ein paar Zahlen und Fakten zur Stadt:

In 1071 wurde Görlitz erstmals urkundlich erwähnt

  • Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands 
  • Görlitz  liegt im Bundesland Sachsen mit 201 m über NN
  • auf einer Fläche von fast 68 km² leben ca. 56.000 Einwohner.
  • Sie ist auch die größte Stadt der Oberlausitz, an der Lausitzer Neiße. Die Neiße ist Grenzfluss zu Polen. Ein Teil der Stadt Görlitz wurde durch die Grenzziehung abgetrennt. Zgorzelec ist seitdem eine eigenständige polnische Stadt
  • Von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges blieb Görlitz nahezu verschont. Die inzwischen zahlreich restaurierten Gebäude dokumentieren verschiedene Baustile: Spätgotik, Renaissance, Barock.
  • Mehr als 4000 Kultur- und Baudenkmale (viele wurden restauriert) erheben die Stadt zu einer einmaligen Kulturstätte. Um diese anzuschauen und zu erleben, müsste man wohl in dieser Stadt wohnen...

 

 










 

Blick auf das Rathaus


Rathaus mit dem Wappen der Stadt

Verwaltung, Macht- und Gerichtsbarkeit werden seit etwa 1350 in diesem Haus ausgeübt. Ca. 20 Jahre später als Rathaus urkundlich erwähnt. Erst im 16. Jh. wurde der Rathausturm aufgestockt und bekam eine Uhr mit zwei Ziffernblätter (Tageszeituhr und Mondphasenuhr).

Das Wappen zeigt den König Matthias von Ungern und Böhmen.   Görlitz gehört dem Oberlausitzer Sechsstädtebundes an.

 

 Rathaus und Uhrenturm am Gerichtsflügel 


Was wird den Touristen gezeigt...? die Sehenswürdigkeit einer Stadt - wir schlendern ein wenig durch die Altstadt - eine der am besten erhaltenen Altstädte in Mitteleuropa (so wurde uns erzählt) - Schau selbst...

 Ordnung muss sein...

 … Straßen in Görlitz

 Helle Gasse 16:  Sitz des Verwaltungsarchiv Görlitz 

Panoramafoto  Verwaltungsarchiv in der Altstadt

 Marktplatz  

 Männe auf dem Marktplatz

 Berliner Ruheständler bevorzugen hier zu wohnen (das "Kleingeld" dazu sollte vorhanden sein...)

Marktplatz in der Altstadt

Die Gaststube verspricht Gemütlichkeit

rechts im Bild ein Teil des Nikolaiturmes

Wohnhaus

Görlitz und seine Wehrtürme ... 

                                Verteidigungsanlagen im Mittelalter und oftmals Teil einer Stadtmauer -

Nikolaiturm

 Nikolaiturm, Gaststätte "Dreibeiniger Hund"

Dieser Turm wurde in 1348 erstmals erwähnt, war Teil der Stadtbefestigung. Die Mauern sind teilweise bis 2,86 m stark. Im Obergeschoss wohnten meist Türmer. Heute ist ein Museum zur Heimatgeschichte eingerichtet.


Wir besuchen die Pfarrkirche St. Peter und Paul - nehmen an  einer Predigt teil und genießen im Anschluss ein Orgelkonzert

ein paar Fakten:

- 1230 stand an diesem Ort bereits eine Basilika                                          - in den Jahren 1425 bis 1497 erfolgte der Neubau einer fünfschiffigen spätgotischen   Kirche, die über dem Neißetal thront                                                        - St. Peter und Paul ist 72 Meter lang, 39 Meter breit, die größte spätgotische Hallenkirche Sachsens                                                                       - ein Brand in 1691 vernichtete das Inventar - man stattete die Kirche barock neu aus   - die Türme, 84 Meter hoch, wurden zwischen 1889 und 1891 erbaut.

 

Die Sonnenorgel

ein erster Eindruck von der berühmten Sonnenorgel

Relief unterhalb der Orgel

Sonnenorgel

Blick auf den Altar (ich stehe in einem Nebenraum unterhalb der Orgel) 

Blick in einen Seitengang (ich stehe vor den Glocken)

einige Fakten zur Sonnenorgel:

17 goldene Sonnen zieren die Orgel, 88 Register mit 6.095 klingenden Pfeifen lassen u.a. Vogelstimmen und Meeresrauschen erklingen (wir haben es gehört). Die größte Pfeife mißt 7,82 m.  Der berühmte italienische Orgelbauer Eugen Casparini erbaute 1703 die erste Sonnenorgel. In 1980 beschloss die Gemeinde eine neue Orgel zu bauen. Von 1995 bis 2006 erbaute eine Orgelbau AG aus der Schweiz die heutige Sonnenorgel.

Die Pfarrerin wies in ihrer Predigt mehrfach darauf hin, dass es nur mit Unterstützung des Vereins "Freundeskreis Görlitzer Sonnenorgel e.V." gelang, 1,5 Millionen DM für die neue Orgel aufzubringen. Weitere Gelder wurden durch Benefizkonzerte u.a. Maßnahmen aufgebracht. Am 24. Juni 2006 wurde die Orgel eingeweiht. Die Pfarrerin sprach immer wieder ihren Dank den vielen Spendern aus und warb aber auch um weitere Spenden für den Erhalt (Pflege/Wartung) der Orgel.

Dieses Erlebnis, die Sonnenorgel gehört zu haben, werden wir wohl nicht so schnell vergessen

 



Gipsabdrücke - im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken "Susanne" u. die "Vesperglocke"  für Kriegsmaterial eingeschmolzen. Auf einer Tafel ist zu lesen:

"Glocken haben eine wichtige Funktion in der Liturgie. Sie rufen zum Gottesdienst und geleiten den Gläubigen in die Kirche. Bereits 1472 wurden Glocken für die Peterskirche...gegossen. Sie wurden 1598...erneuert. Vor dem Kirchenbrand 1691 waren die alten Türme mit fünf Glocken bestückt: "Susanna", Salveglocke, "Schlussglöcklein" Glocke Mutter Gottes sowie Vesperglocke. Die neue "Susanna" wurde 1696 … gegossen. Sie ist mit den Abbildern der Kirchenpatrone Peter und Paul geschmückt. Sie war mit 217 Zentnern Gewicht die viertgrößte Glocke in Deutschland."

(Text fotografiert)

Kurzvideo

von der Stadtmauer ein Blick zu unseren polnischen Nachbarn

Berzdorfer See

Wir fahren an den südlichen Stadtrand von Görlitz und besuchen den Berzdorfer See. Er ist ein Restloch des ehemaligen Braunkohletagebaus Berzdorf. Der See ist 72 Meter tief, breitet sich auf einer Fläche von 960 Hektar aus mit einem Wasservolumen von ca. 330 Mio. Kubikmeter. Die Flutung erfolgte von 2004  bis 2013. Er ist einer der größten Seen des rekultivierten Braunkohlerevier in der Lausitz.

1997 wurde die Kohleförderung eingestellt - bis zu 7 Mio. Tonnen Braunkohle wurden jährlich gefördert.

Zur Erinnerung an diese Zeit kann der "Bagger 1452" besichtigt werden - ein technisches Denkmal aus der Zeit des Braunkohletagebaus. 


                                                                           heutiges Naherholungsgebiet


    


Bagger 1452






Renaturierung über 21 Jahre - eine lange Zeit - ein großer Erfolg

 dicke Regenwolken über dem Berzdorfer See

man erahnt, wie schön es hier im Sommer ist...

 

Bild oben: romantisch-festlich-gemütlich - wir genießen Kaffee und Kuchen in der Gaststätte Wasserschloss



Bilder links: 

Gaststätte Wasserschloss

Die ehemaligen Stallungen werden zu Hotelunterkünften ausgebaut


  

Trotz Dauerregen wollte ich mir unbedingt das 

                   "Alte Wasserschloss" 

anschauen... 

Gerne wäre ich dem Wegweiser gefolgt - wie immer reicht die Zeit nicht aus. 

Das Alte Wasserschloss liegt verborgen im Dickicht alter Bäume und weckt Sehnsucht, die Vergangenheit zu suchen...

              "Betreten verboten" !!






 hat man mit der Sanierung schon begonnen...? Es wäre wünschenswert


  Fazit aus diesem erlebnisreichen Tag: Der Ausstieg aus der Braunkohle sollte klug überlegt sein und Schritt für Schritt durchgeführt werden. In der Lausitz wurden einige Braunkohletagebau-Gebiete mit großem Erfolg für die Umwelt und die Menschen renaturiert z.B. Findlingspark Nochten, Senftenberger See, Berzdorfer See. Wir haben uns auch die monumentalen Förderbrücken im Tagebau Welzow Süd angesehen sowie Vorträge über  FÜR  und  WIDER  des Braunkohletagebaus gehört. Wenn ich diese Worte hier schreibe, frage ich mich immer wieder "wie kann ich Strom sparen...?" (PC runterfahren und ein Buch lesen...???)



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